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.der sturm im senfglas

Spöttisch lächelnd abseits sitzen, lässt sich leider nur in einer realen Diskussion als wirkungsvolles Stilmittel einsetzen. Halb belustigt, halb erbost über all den Schwachsinn den sich einige Elemente der Blogosphäre als Bedeutung auslegen, kommt man nicht umhin sich an dieser Debatte zu beteiligen.

Nehmen sich Blogger zu wichtig?“ war die Frage, die ich mit einem einfachen aber kategorischen „Ja“ beantwortet habe, Robert hingegen mit einem pathetischen Textbrocken, der auf die Botschaft hinausläuft: „Du hast eine gigantische Voice„.
Genau! Hurra! Toll! Super! Klasse! Es jubelt einem aus dem langen Kommentarschwanz entgegen. Ein wohlkonditionierter pawlowscher Klatsch-Reflex, der da im Blogwald widerhallt, wenn einem die Traffic- und Verlinkungsspitze Honig ums Maul schmiert.
In bedeutungschwerer Einhelligkeit veranstaltet man Rudelpissen, etwa gegen das StudiVZ und schreibt sich Revolution auf die Fahnen. Man ist endlich wer, gemeinsam will man stark sein und eine gigantische Voicehaben.

Es ist die Geschichte vom Sturm im Senfglas, über die Divergenz von Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung in der Blogosphäre.

Eine kurze Erklärung vorneweg: Da die Kritik der Blogkritik reflexartig immer die selben Argumente hervorbringt, wie etwa „der will doch nur Aufmerksamkeit/Klicks/Backlinks“ verweise ich mal hierhin. Jeder der nicht ganz blöd ist, lernt in den ersten Monaten der Blogosphären-Partizipation, wie man ein Blog bekannt machen kann, oder wie man Klickzahlen generiert. Es ist ein leichtes einen Blog wie Dreibein zu führen, der Besucher aus der Google-Ursuppe löffelt, oder man kann sich auch an jedem Blogskandälchen beteiligen, um sich im Rudelpissen die Besucher per Trackback zu fischen.

Quantitatives Wachstum ist nicht nur der Holzweg in der Wirtschaft, auch in der Blogosphäre will man wachsen. Einzelne ganz Verzweifelte hoffen gar auf einen „Blog-Messias„, der der Blogosphäre endlich die Macht und Einfluss beschaffen soll, die ihr ja verdammtnochmal zusteht.

Man möchte es in eine Steintafel meißeln und diese für alle sichtbar aufstellen, dass ein Blog nur der Rahmen und nicht gleich der Inhalt ist. Show 2.0 nennt man etwa das, was sich zwar in seiner Form, nicht aber in seiner Substanz vom Fernseheinheitsbrei unterscheidet.
Revolutionärer war es da schon, Fruchtsaft im Tetrapack zu verkaufen und nicht nur in der Glasflasche.

Man ist stolz auf seine Subjektivität, verteilt aber in unglaublicher Bigotterie Seitenhiebe auf Journalisten, die Blogs eben diese Subjektivität vorwerfen. Was wollt ihr dann bitteschön?

Im Internet sind Blogs durchaus von Bedeutung. Jedoch befindet man sich im Wunschwahn die Speerspitze einer digitalen Revolution zu sein, die Bedeutung und Macht im Alltag hat. Sympatexter nennt es „selbstgefällige Überschätzung„. Ich stimme ihr zu und nenne es zusätzlich maßlose Selbstüberschätzung.

Wenn Revolutionen stattfinden, passiert das natürlich auch in den Blogs. Trotzdem sind Blogger und Blogs an sich in keinster Weise etwas revolutionäres.

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