.medium, ein medium, ein gottverdammtes medium

…was man die Tage gerade vor, während und nach der re:publica an ausgekotztem Metaschleim lesen musste, der überall in Blogs und Kommentare gesabbert wurde, ist einfach nur ekelhaft.

Mal unter uns.
Ich habe mit dem „Bloggen“ (als technische Publikationsmöglichkeit) angefangen, weil ich begeistert war, mich äußern zu können, an Diskussionen teilzunehmen und eine Plattform für Ideenaustausch zu haben.
Zwischendurch driftet man schnell ab – in den Sog von dem, was sie Blogosphäre nennen, gerät in ein Fahrwasser, in dem man sich an Diskussionen dranhängt und mehr oder weniger nur senft, zu Dingen, die man sich vorsetzen lässt.
Lässt nach, wenn die anfängliche Link- und Leser-Geilheit abnimmt. Hört auf, wenn man genauer über das nachdenkt, was man macht und liest.

Die Metadiskussionen sind wichtiger Bestandteil der Identitätsfindung eines Mediums, aber nicht ihr gottverdammter einziger Inhalt.

Professionalisierung und Kommerzialisierung der Blogosphäre sind mir so scheißegal wie Weltmeisterschaften im Stricken mit sechs Nadeln. Es interessiert doch keine Sau, außer vielleicht ein paar beleidigte Spreeblick-Jünger, die dachten Johnny lebt von Hauptstadtluft und Liebe. Macht doch was ihr wollt, eure Grundsatzdiskussionen sind – noch milde ausgedrückt – komplett für’n Arsch.
Jeder hat sein eigenens Blog, jeder kann es mit Werbebannern vollpflastern, wenn er will. Soll er mit sich und seinen Lesern ausmachen.

Sprecht vor allem nicht über: die Blogosphäre muss dies, muss das, muss muss.
Es gibt keine Blogosphäre.
Es gibt einen Haufen vielverlinkter, vielgelesener Solipsisten, die sich eine Kohärenz einbilden und im eigenen Kreis verlinken. Daneben ein paar hundert Blogs, die im Fahrwasser dieser kommentieren und zu jedem größeren Artikel dümmliche Ich-auch-Trackbacks setzen.
Es gibt kein wir.
Höchstens als Bezeichnung „unserer“ gemeinsamen technischen Publikationsmöglichkeit. Ende der Gemeinsamkeit.

Hört auf zu heulen, dass euch keiner wahrnimmt. Bei dem was ihr hauptsächlich schreibt, liebe Spitze des bloggenden Eisberges, darf euch keiner wahrnehmen, weil Geschmack, Vernunft und Sinn für Unterhaltung und Relevanz in gewissen Teilen der Gesellschaft durchaus noch vorhanden sind.

Der einzig vorhandene Einfluss ist der, dass Menschen und „Blogger“ wie ich, sich jetzt verantwortlich fühlen, bei all der gewaltigen Scheiße, die hier überall verzapft wird, mal laut und deutlich werden zu müssen.

Ich verzichte auf Verlinkungen. Alle die verstehen um was es geht, wissen wen ich da im Allgemeinen meine und alle die es nicht verstehen, sollen froh sein, ihre Zeit nicht sinnlos verplempert zu haben.

Ich will Blogs lesen. Nicht über Blogs lesen. Verfluchte Scheiße. Blogs sind nur Medium, ein Medium, ein gottverdammtes Medium.

20 Kommentare

  1. Narya

    Solispismus. Kommentarbegriff erfolgreich in den eigenen Wortschatz übernommen, was? ;-)

    Zum Inhalt sonst kann ich mich nicht äußern. Bin kein Blogger und guck ja auch nur ab und zu mal hier vorbei weil ich dich halt kenne. Der Rest (die „Blogosphäre“…) ist mir da ziemlich schnurz.

  2. Es muss immer alles Regeln haben, was auch einen Namen hat. Und diese Regeln müssen natürlich genauer definiert sein als der gesunde Menschenverstand, den man ja anderen Menschen nicht zutraut.

    Als kleiner Meister der Improvisation finde ich es recht lächerlich, wenn mir jemand vorschreibt, was ich mit was zu tun habe.

    Für mich ist ein Blog einfach eine schöne Möglichkeit ein paar Leute die ich kennen über das zu unterrichten, was ich tue, wie es mir geht und was mich gerade interessiert und beschäftigt.

    Mir ist es auch recht egal, wie viele Menschen mitlesen, sonst würde ich andere Beiträge schreiben. Genausowenig lese ich die wirklich großen Blogs. Die haben mich nie wirklich angesprochen, mich hab interessieren viel mehr die anderen Menschen, schöne Geschichten oder einfach die Texte, die mich zum Schmunzeln anregen – ich finde es ziemlich nervtötend, wenn plötzlich wieder ein Thema die Runde macht und man überall nur noch das gleiche liest.

    Die Blogperlen sind meist abseits. Die meisten sind hm… Social-Blogger, die gar nicht wollen, dass man sie verlinkt, die sogar irritiert sind, wenn plötzlich jemand fremdes einen Kommentar schreibt.

    *argh* wieder zum Thema zurück: Ich lasse mir nicht vorschreiben, was ich zu schreiben habe. Für wen es uninteressant ist, der muss es nicht lesen, denn das mache ich bei anderen auch nicht.
    Wenn jemand Werbung auf seiner Seite hat, warum nicht, das ist sein gutes Recht, es ist ja auch seine Seite.
    Wenn jemand so bekannt wird, dass er gesponsert wird, warum nicht?

    Ich verstehe die momentane Diskussion sowieso nicht, das könnte aber auch daran liegen, dass ich mangels Intresse kaum mehr als die Überschriften lese…

  3. Ich erspar mir das übliche „Das seh ich auch so“ ;-) habe einen eigenen Beitrag dazu…
    Das mit der von einigen angeprangerten, verpönten „Ein guter Blog ist ein werbefreier Blog“ kann nur von geistigen Schwachmaten kommen.
    Die meisten von denen wären doch froh, wenn sie mal ein paar Euro mehr in der Tasche hätten.
    Ich habe die Neuauflage meines Blogs vor 8 Monaten mit vernünftig aufgeteiltem Adsense versehen und hatte schon nach 3 Monaten weit mehr als meine Selbstkosten raus.
    Und das ist gut so, bin ich stolz drauf. Ein Großteil des Lebens besteht nun mal aus Geldverdienen ;-)

  4. @Narya: Fand ich eben sehr treffend den Begriff ;-) Und bei meinem Wortschatz bin ich raffgierig :-)

    @Sabre: Das ist ja das Problem bei den vielen „kleinen guten“ (natürlich subjektiv und relativ) Blogs. Sie sind nicht wie der Streber im Klassenzimmer, der fingerschnippend und sich verrenkend nach Aufmerksamkeit heischt. Sie schreiben vor sich hin, und kümmern sich nicht um den ganzen Verlinkungs- Ranking und Aufmerksamkeitsscheiß.

    @Querdenker: Wenn mich jemand fragen würde, welche von sagen wir mal 50 Blogs, die ich lese, Werbung machen, könnte ich es vielleicht bei 20 davon sagen. Das eht völlig an meiner Wahrnehmung vorbei.

  5. Die Metadiskussionen sind wichtiger Bestandteil der Identitätsfindung eines Mediums, aber nicht ihr gottverdammter einziger Inhalt.

    Weiste, ich mach das ja auch ganz gerne, so Metablogging, aber im Zuge der re:publica habe ich vor allem übers Wodka-Saufen und die Menschen dort geschrieben. Der einzige Meta-Inhalt kommt doch von Euch.

    *seufz*

  6. McDough

    Die Ironie an diesem Beitrag ist, dass er das Schreiben über Blogs verurteilt, gleichzeitig aber selber von den Beiträgen und dem Verhalten der Blogger handelt ;)

  7. Sorry übrigens für dieses „Euch“, hört sich doch irgendwie komisch an. Ich denke aber, Du weisst, was gemeint ist.

  8. Pingback: amazemans journal

  9. @ Querdenker:

    Das mit der von einigen angeprangerten, verpönten “Ein guter Blog ist ein werbefreier Blog” kann nur von geistigen Schwachmaten kommen.

    Egal, wie man zum Themenkomplex „Werbung in Blogs“ steht – diese Art, zu „argumentieren“ ist das, was man im Klo runterspült.

    @ René:

    Weiste, ich mach das ja auch ganz gerne, so Metablogging, aber im Zuge der re:publica habe ich vor allem übers Wodka-Saufen und die Menschen dort geschrieben. Der einzige Meta-Inhalt kommt doch von Euch.

    Ich als Nichtteilnehmer habe die Veranstaltung anhand der unzähligen Blogeinträge von Teilnehmern als kollektives Wettschulterklopfen wahrgenommen, sprich: Meta ja, wenn auch relativ eindimensional. Dass Du dort fröhlich soffst und darüber schriebst, sagt nun allerdings mehr über dich als die Konferenz aus. Und das ist ja auch ein gutes Sinnbild. Da können noch so schöne Podiumsdiskussionen über das Verhältnis von Journalismus und Bloggen stattfinden, über Ethos und Kommunikationsrevolutionen – die meisten Teilnehmer düften „Spaßblogger“ wie Du gewesen sein, für die die re:publica ein Event. Auf Tuchfühlung mit den Stars der Szene, Feelgood in Berlin bei schönem Wetter und Schwanzvergleich per Apple-Hardware. Ist ja auch okay, bloß für mich wär das nix. Du schreibst, die Kritik, der „Meta-Inhalt“, käme bloß aus „unserer“ (also der Nichtteilnehmer-) Ecke. Dem ist auch nicht so, es gab ebenso genügend Stimmen von Anwesenden, die den „Kuschelfaktor“, das Fehlen an ernsthaftem Diskurs bei der r:p bedauerten.

  10. Pingback: jovelblog

  11. @McDough: Wie würdest du jemand sagen, er soll aufhören zu reden? Mit Handzeichen?
    Und wenn du dir den Artikel richtig durchgelesen hast, würdest du merken, dass ich nicht das Schreiben über Blogs verurteile, sondern das wie.

    @rene Schweigen lässt sich nur in einer realen Diskussion als wirkungsvolles Stilmittel einsetzen, habe ich mal geschrieben.
    Ich wollte hier nur meinen Standpunkt deutlich machen, dass ich gerade für so einen impulsiven Rotzartikel auf Meta-Ebene Aufmerksamkeit bekomme, ist pure Ironie.

    Schön, dass du das mit dem „Euch“ noch erkannt hast. Das ist nämlich genau die Haltungsweise, die ich meinte.

  12. das ich euch mal so nachlesen kann, finde ich doch recht erstaunlich. ich lag während der r:p in der sonne und habe an schöne dinge gedacht.
    da haben sie ja eine bombe gezündet.
    ich geh auch mal zurück in mein metametametametablog. da habe ich zum glück meine ruhe!

  13. Pingback: onezblog

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