Das Leben ist schön…

…oder schön, dass man lebt. Was einem allgemein als Selbstverständlichkeit erscheint, kann sich in einem Sekundenbruchteil ändern, wenn einem das Heck eines Kleinbusses auf einer schmalen Waldstraße entgegen geschleudert kommt und das eigene Auto nur um Haaresbreite verfehlt.
Der Bus raste die steile Böschung runter und suchte sich gottseilobunddank den kleinsten Baum des Waldes aus. Alle Beteiligten blieben unverletzt und wenn man auch gerne und all zu oft von „wie durch ein Wunder“ spricht, so erscheint mir hier die Phrasierung angemessen.
110 wählt man nicht alle Tage. Für mich jedenfalls war es das erste Mal und die Navigation der Einsatzkräfte auf der Grenze der Zuständigkeitsbereiche und einer wenig kartographierten Straße mit einem Puls von 180 und Nervenflattern ist eine schaurig komische Sache. Nicht lustig, aber komisch.
Nach meiner obligatorischen Aussage klopft mir der Polizeibeamte noch auf die Motorhaube meines Ford Fiesta und meint: „Da wäre nicht viel von übrig geblieben.“ Seinen Rat, zur Feier des Tages der Glimpflichkeit ein Glas Sekt zu trinken, werde ich befolgen. Dann und wann sollte man auf Polizisten hören.

10 Kommentare

  1. Ich versuche grade zu visualisieren, wie das ausgesehen hat, das Heck fliegt Dir entgegen und danach geht’s runter in den Wald. Was war denn los mit dem Kleinbus? Hm… gibt es da jetzt noch eine Phrase, die man so sagt? Glückwunsch ist ja irgendwie albern.

  2. Danke. Ich hab ja auch noch nen bisschen was vor die nächsten 60-70 Jahre ;)

    @Sebastian: Die längere Version ;): Der Kleinbus (Renault Trafic oder so ähnlich), der für die Straßenverhältnisse zu schnell war, ist beim Passieren des Autos, das vor mir kam, auf den unbefestigten Straßenrand abgekommen. Der Fahrer hat gegengelenkt und ist ins Schleudern gekommen. Das Heck ist ausgebrochen, das Auto ist so knapp an mir vorbeigetrudelt und dann die Böschung runter. Als scharfes Bild im Kopf blieb mir das Heck, das mir entgegenflog. Es passiert ja alles so verdammt schnell…

  3. Ich würde eine ganze Flasche trinken…

    Dass man an Schicksals Weiche den richtigen Weg genommen hat, wird einem immer erst später bewusst. Ehrliches Aufatmen…

  4. Am Montag im Autobahnkreuz: Rechte Spur Rückstau, linke Spur frei. Mein LKW beschleunigt etwas langsamer als der PKW vor mir, so dass sich eine Lücke bildet. In diese Lücke zieht ein oller 5er BMW und bremst stark ab. Leider bremst der PKW vor ihm wieder ab (Stau halt), da passt das alles plötzlich nicht mehr so ganz und der BMW bleibt mit dem Heck halb auf der linken Spur stehen. Von hinten kommt ein Tanklaster und verfehlt das Heck des BMW nur um Haaresbreite.

    Irgendwann mitten in der Nacht auf der A2. Unfall, ich halte an, wähle 110. „Ja, Unfall auf der A2 Fahrtrichtung Hannover bei Kilometer X kurz vor der Ausfahrt ABC-Stadt. Keine Verletzten…“

    Beim Lesen deines Textes ist mir bewusst geworden wie emotionslos und routiniert ich mittlerweile mit solchen Situationen umgehe. Ich kann mich schon kaum noch daran erinnern wann mir das letzte mal das Herz flatterte weil Gevatter Tot mit seiner Sense vor meiner Nase rumfuchtelte.

    Sei froh das dir noch das Herz flattert. Wenn es nach so einer Situation noch normal schlägt, dann musst du dir so langsam Gedanken machen.
    Ist aber wohl besser wenn es in Zukunft ausschließlich aus anderen Gründen flattert ;)

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