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Kommt 2013 in eine Bar … *

Gestern bei einem Dienstleistungsunternehmen angemeldet, das auch DVDs per Post verleiht. Heute A Sound of Thunder zugeschickt bekommen, den ich garantiert nicht angeklickt, geschweige denn bestellt habe. Wahrscheinlich werden sich in ferner Zukunft nicht die Roboter, sondern die Datenbanken gegen uns auflehnen. Nun, mal sehen, was der Film so bringt.

Überhaupt. Mal sehen, was das Jahr so bringt. Und wenn ich gerade dabei bin: Ein frohes neues Jahr, liebe Leserinnen und Leser (auch wenn dieses Jahr ja schon leicht angebraucht ist).

Vorsätze sind gezimmert. Mehr Bloggen gehört sowieso dazu (Yeah, but this year’s gonna be different). Mehr Bücher lesen, mehr Draußen, etwas weniger arbeiten. Wenn ich jetzt schon selbstständig arbeite, dann muss es a.) Spaß machen oder b.) Geld bringen. 2014 strebe ich dann die goldene Kombination ab.) an.

Freunde, ich wünsche euch, ich wünsche mir, ein glückliches Jahr 2013!

* die Pointe des Witzes erzähle ich am Jahresende, wenn mich jemand daran erinnert.

Jetzt ist also dein Körper, dein Körper die Fabrik
Reproduzierst du was begehrt wird oder wieder nur dich?
Dient dir der Dampf als Antriebskraft
Oder ist es gar Leidenschaft?

Singt Gustav.

Abfahrt 20:10

Klar, sagt man mit einem Einseitenmundwinkelgrinsen. Kein Problem. Gerne. Man lächelt etwas nervös, weil der Wind geht und die Feuerzeugflamme ständig ausgeht. Vielleicht sollte man das mit dem Rauchen bei diesem Hundewetter auch sein lassen. Obwohl die Hunde nichts dafür können. Ein Gespräch entsteht aus dem Wetter, unweigerlich landet man bei der Deutschen Bahn. Man steht ja am Bahnhof. Dieses kleine eingleisige Exemplar hat eine neue Anzeigetafel, auf die alle gespannt im 15-Sekunden-Takt blicken, als ob sich dadurch etwas ändern würde. Als ob sich jemals etwas ändern würde.

Man ist geduldiger geworden. Wartet auch mal bis der Kellner kommt. Oder der Lebensinhalt. Man ist in diesem Jahr wieder +1 alt geworden. Redet aber immer noch von Mädchen. Sagt hin und wieder noch Alter, Alter! Wie das Rauchen eine schlechte Angewohnheit, aber besser mit Ironie zur tragen. Nein, eigentlich wartet man nicht mehr so viel. Man gewöhnt sich an das Gefühl zu spät zu sein. Etwas zu verpassen. Das ist lächerlich, weiß man, sagt man sich. 2010 wird mein Jahr, hat man sich gesagt. War 2010 dein Jahr, hat man sich gefragt.

Man will ja irgendwann loskommen.

Man hilft dem alten Kerl beim Koffertragen. Zug raus, Treppe runter, Treppe hoch, Zug rein. Gerne. Schönen Tag noch. Viel Spaß im Urlaub. Leute kommen, Leute gehen. Solche und solche. Man hat Termine mit Leuten. Man hat einen Terminkalender. Mein Gott, ich habe einen Terminkalender!
Die politischen Verhältnisse sind katastrophal. Die Wut ist nicht verraucht. Sie raucht, aber sie brennt nicht mehr. Eigentlich wollte man das Streichholz sein. Wenigstens die Flamme. Man wartete auf das Feuerwerk und sah nur das Glimmen.

Man sitzt im Bus. Schaut nach draußen. In die Reihen der Hauptstraße ist eine Zahnlücke gerissen worden. Ein Haus fehlt. Wurde halt nicht mehr gebraucht, denkt man so beiläufig bei sich, wie man so denkt, wenn etwas am Bewusstsein vorbeizieht, aber dort nicht kratzt. Wenige hundert Meter weiter steht ein frisches Haus. Das Dach eingepackt in Schnee und Plastik. Die Wände im grauen Unterputzgewand trotzen dem Blick des Betrachters mit rustikalem Charme. Es geht alles so schnell. Das ist nicht angenehm. Es ist nicht alles so wichtig. Das ist angenehm. Häuser sind nicht so wichtig. Sie kommen und gehen.

2010 – ein Vierteljahrhundert alt. Da wühlt man noch eher stumpf, als mit Weisheit zu glänzen, aber doch doch doch, was man ahnte, wird immer weniger überraschend mehr Wirklichkeit: Es ist das Schöne. Es ist die Liebe. Es sind die Freunde. Es ist die Familie.

Man will ja irgendwann ankommen.

Der Sommer ist ein Fluss

Vielleicht hilft es auch, sich das Leben als eine Art Autobahn vorzustellen. Wahrscheinlich aber auch nicht. Metaphern sind schließlich nur der Versuch einem grauen Haus Farbe zu geben. Jedoch – und das ist hier der Punkt, Alter! – das Leben gewinnt immer mehr an Fahrt. Man könnte von einer unwahrscheinlichen Rasanz sprechen. Zudem sogar von einer unglaublichen Beschleunigung.

So hat der Sommer mit einem schon wieder die meiste Zeit damit verbracht, zu heiß, zu kalt oder zu verregnet zu sein, bevor man merkt, dass die kleinen Blüten an den Bäumen zu verdammt großen Äpfeln geworden sind. Wer sich jetzt noch eine Badehose gekauft hat. Pech gehabt!

Höchste Zeit innezuhalten. Zeit eine Blues-Platte aufzulegen, durch das regenbeschlagene Fenster mit Wehmut nach draußen zu blicken, wie der Herbstwind garstig an den noch grünen Blättern zaust. Ein leises Ding, ein leises Dong, die Melancholie ist wieder zuhause.
Wer wie ich den Herbst liebt, der weiß doch, am Ende steht nur der Winter. Erbarmungslos. Und das ist nicht nur eine Frage der Jacke, meine Damen und Herren, es muss auch im Inneren warm sein. Als Anweisung für den jahreszeitlichen Hausgebrauch empfehle ich die Maus Frederick aus dem Kinderbuch, die im Herbst Sonnenstrahlen, Farben und Wörter für den Winter sammelte.

Ein kleines bisschen Wehmut schwingt mir leise seufzend in der brüllenden Alltagsgedankenflut. Zwischen den Telefonsymphonien und durch die Papierwälder klingt ein leises bisschen Trauergesang über die nun verlorene Jahreszeit. Der Sommer war ein Fluss und wir verlassen ihn jetzt nass und erschöpft auf der anderen Seite.