De-Mail – reiten wir tote Pferde, solange noch jemand dafür zahlt

Dass die Bundesregierung nicht nur tote Pferde reitet, sondern diese auch noch vor einen Karren spannt, dafür ist die De-Mail ein gutes Beispiel. „Das Hauptziel von De-Mail ist es, Nachrichten und Dokumente über das Internet vertraulich, sicher und nachweisbar zu versenden und zu empfangen und damit ein elektronisches Pendant zur heutigen Briefpost zu etablieren“, sagt Wikipedia.

Die Kritik: Viel zu teuer, fehlende Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und damit Zugriff von den Providern, Polizei und Geheimdiensten auf auf die unverschlüsselten Daten. Bei vowe.net gibt es eine gute Zusammenfassung der Kritik. Wer Zeit hat und die volle Tragweite der Idiotie verstehen will, kann sich den Vortrag von Linus Neumann auf dem 30C3 „Bullshit made in Germany“ auf Youtube anschauen.

Bisher stand die De-Mail neben StudiVZ, Myspace und FDP auf meiner Liste Dinge, die man ignorieren kann, weil sie sich von alleine erledigen. Das hat sich geändert. Weil die De-Mail-Provider viel Geld in Entwicklung, Akkreditierung und Werbung stecken mussten und keiner das kaufen will, kommt die große Stunde der Call-Center.

Faxe für Branchenbucheinträge und irgendwelche Internetdinge landen in unserem Betrieb per default bei mir. Ich refinanziere also schon meine Stelle, in dem ich einfach nur Dinge verhindere. Eines Tages liegt der Brief eines Providers, der auch unsere Domains hostet, mit den „Vorteilen der De-Mail“ auf meinem Schreibtisch. Daran haftet eine Notiz unseres Geschäftsführers: „Brauchen wir das?“ – Ich gebe ihm das mit einer Haftnotiz zurück: „Nein“.

Wenige Tage später.

Guten Tag, mein Name ist Vorname Nachname von Anbieter XX.1 Wir haben gesehen, dass Sie sich noch nicht Ihren Domainnamen für De-Mail-Adressen gesichert haben … „.

„Jaaa?“, frage ich gedehnt und unterdrücke den Impuls nicht weiter zuzuhören.

… wir haben Ihnen die De-Mail-Adressen mit Ihrer Domain reserviert. Wenn Sie diese aber nicht zum Datum-XY sichern, müssen wir sie freigeben. Dann kann sich die JEDER holen. Für Ihre Domain haben wir auch schon Anfragen. Dann kann jemand anderes unter Ihrem Domain-Namen De-Mails verschicken …“

Von wem die Anfragen für unsere Domain kommen, will er mir aus Datenschutzgründen natürlich nicht nennen.

So sieht das jetzt also aus: der Herr im Call-Center weiß Bescheid, über die Kritik am Preis und Datenschutz. Der Hebel über den jetzt verkauft werden soll, ist die Angst, dass da jemand in meinem Namen offiziell kommuniziert. Das tote Pferd riecht also schon.

Meine Prognose: solange die De-Mail nicht (fast oder ganz) kostenlos oder gesetzlich verpflichtend wird, steigt keiner auf das tote Pferd. Spätestens 2016 oder 2017 wird die De-Mail dann endgültig begraben. Ich würde mich freuen, eine Schippe Erde dazu beigetragen zu haben.

  1. bei den wenigen Providern, die das anbieten, habt ihr gute Rate-Chancen []

2 Kommentare

  1. dominik

    es gibt momentan einen 40€-gutschein von amazon bzw. nen 60€ gutschein von zalando wenn man den kram macht. so langsam komm ich ins grübeln. nicht, weil ich de-mail auch nur im geringsten vertraue, aber… nicht nutzen kann ichs ja trotzdem, und ich hab n paar euro mehr inner tasche. oder übersehe ich da nen nachteil meinerseits durch den abschluss?

  2. .markus

    Ob das einem die ganze Sache mit Identifizierung etc. wert ist?

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