Per Anhalter durch den Moment

Liebe Leserinnen und Leser – verzeihen Sie mir diese, auf Ihre bloße Tätigkeit reduzierte Anrede – Wolken bilden Formationen, die wir zu Bildern machen. Hasen hoppeln über den Himmel und werden dann wieder nur zu einer alliterativen Assoziation, während man in der Hängematte versucht den Moment anzuhalten und zu halten, bemüht den Verstand loszulassen.
Neulich betrachtete ich wie eine Wolke Elchkuh von zwei hundsähnlichen Wolken angegriffen und in der Luft zerfetzt wurde. Sie tanzten in den Tod, während sich die Sonne gemütlich rötend in den Wald plumpsen ließ. Ich verlor mich in der Symbolik dieses langsamen, aber dramatischen Wolkenkampfes. Ich war die Elchkuh. Die Hunde vielleicht die Zeit? Die Gedanken vertrieben den Moment, das Grübeln die Gedanken und das vernunftbegabte, vernunftgetriebene, vernunftgequälte Wesen – ich – exerzierte autopilotisch Peinlichkeiten vergangener, Chancen und Probleme künftiger Situationen durch, die im „Jetzt“ keinerlei Rolle spielten.
Der „Moment“ ist eingefangen, gezähmt und zur Plakette der dauerfeuernden Imformationsabteilung „Konsum“ geworden, so dass bei allen Versuchen wenigstens temporäre Zufriedenheit im Nichtstun zu erlangen, erstmal die Mauern der biersüffelnden, waschmittelschnüffelnden und bergstraßenfahrenden Verheißungen nieder gerissen werden müssen, die einem den schönen Moment der Gegenwärtigkeit vernebeln. Die Welt wird nicht kleiner, sondern schneller – wir leider auch und nicht größer. Wir werden fragmentiert, teilchenbeschleunigt, aus dem Zusammenhang gerissen und in immer neue Verpackungen gestopft, beinahe unfähig uns auszupacken und anzuhalten. Ich habe Angst davor, von der Vergangenheit in die Zukunft ohne Gegenwart leben zu müssen.

5 Kommentare

  1. .markus

    Ich habe es mal bestellt. Danke. Ich finde es „interessant“, wie gewisse, wissenschaftliche, geistige, soziologische und philosophische etc. Entwicklungen und Erkentnisse an uns „Durchschnittmenschen“ – dazu zähle ich mich hier mal – vollkommen vorbeigehen, während wir unbekümmert auf den Wellen des technischen Fortschritts surfen.

  2. glaube daran, das Du immer in der gegenwart leben wirst…
    das verhindert angst-
    ein glaube erzeugt gefühle, die deine Situation bestimmen…

    HZLT

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  4. Selbst in sonntäglichen Parks findet man jene selten, die einfach nur auf der Wiese liegen und Wolken betrachten. Mehr ist nicht zu sagen.

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