.in der ideenschmiede

…unbeholfen ließ mich die rhetorische Aushilfskonstruktion allein im Wörterwald stehen.
Etwas blöde stand ich da, nun – was sollte ich tun. Ich überlegte lange und unterlegte meine Gedanken mit einer Gedächtnisstütze, aber Improvisation ist eine wacklige Angelegenheit, wenn man nicht an Tonleitern klettern kann.
Soviel ich auch nachdachte und versuchte vorzudenken, in diesem Absatz fand ich keine befriedigende Lösung, die konnte nur der folgende bringen.
Ich brauchte eine Idee, die Erkenntnis durchzuckte mich wie ein Blitzschlag. Nachdem ich mich von dieser Metapher befreit und mein Gehirn aufgehört hatte, wie Wackelpudding zu zittern, hatte ich die Idee eine Idee zu haben, was genauso genial wie abstrus war, aber im Rahmen dieser Geschichte hervorragend funktionierte.
Idee hin, Idee her. Du kannst lange am Fluss stehen und Gedanken vorbei treiben lassen, sagte ich mir. Zur Quelle musst du gehen.

Die künstlerische Freiheit ließ ich mir nicht nehmen, auch diesen Absatz als separatistischen Ansatz von der Geschichte zu spalten und mit dem roten Faden Schindluder zu betreiben. Was denkt er eigentlich wer er ist, der Leser? Soll man ihm den Sinn auf dem silbernen Tablett servieren oder gar in den Arsch schieben? Nein, nein, hier muss nicht nur der Autor mit den Worten kämpfen. Der Sinn wird nicht proklamiert und deklariert, zwischen den Zwischenzeilen muss der Leser lesen und die Essenz daraus abstrahieren, genau!
Zurück zum Urspung der Ideen.
Kein großer Sprung, höchstens einen kleinen Satz machte ich (SPO) und setzte über – übersetzte den Gedanken und war da, wahr da, dort wo die Wahrheit ist, in der Ideenschmiede.
Die Assoziation schlägt bei diesem Begriff tollkühne Purzelbäume und man stellt sich muskelbepackte schweißtriefende Prachtskerle vor, die im Schweiße ihres Angesichts gewisse Dinge auf dem Amboß hämmern und in Form bringen. Ich würde ja gern wieder eine metaphysischere Ebene bemühen, die Gedanken die höchste Abstraktionsstufe erklimmen lassen, aber die Assoziation leistet hier prächtige Arbeit und warum soll man nicht etwas im Raum stehen lassen, das da eh – so oder so – schon dasteht.
Mit einem klassischen „Hallo“ begrüßte mich Frau Inspira Tion, „seit Platon hatten wir hier keinen Besuch mehr“.
Naja, man könnte sich jetzt hier aufhalten, einen Bezug zwischen Platon und mir konstruieren, meinem Ego den Bauch pinseln usw. usf. etc. Jedoch – dessen sollte sich der Leser im sokratischen Wissen seiner Unwissenheit bewusst sein, ließ ich mich hiervon nicht aufhalten und fragte ganz unverblümt und forsch nach der Ursache der Abwesenheit von Ideenforschern.
Es folgte eine einschläfernde Belehrung über Producer und Consumer und die allgemein schwierigen Verhältnisse in der geistigen Touristik, die ich hier mal elegant überspringe und galant wieder weiter am roten Faden zwirbel.
In einer Ecke saß das Gedankenmodel von Rodins Denker, schweigend neben dem Gebrüll der Schmiede, die an der Wahrheit arbeiteten. „Die wird nie pünktlich fertig“, sagte Frau Tion und seufzte. Herr Ismus pflichtete ihr eifrig bei und erwähnte zusätzlich die Schwierigkeiten der Systemtheorie. Sei’s drum, erwiderte ich, die Systempraktik ist doch der Stein, an dem Mensch sich die Zähne ausbeißt.
„Wie unpraktisch“, erwiderte Herr Ismus lakonisch und wollte mich in einen Disput verwickeln. Ich fand es etwas müßig Konversation betreiben zu müssen und schlich mich in die Halle der unfertigen Ideen.
Hier lagen sie also! Die Ahnungen, die einst in der Luft lagen. Die warte-ich-habs-gleich….ah-ne-doch-nicht-Dinger. Die geistige Sondermüllkippe der Menschheit, aber nicht nur – Ein paar gewaltige Ideen reiften hier vor sich hin, was hatten die Griechen nicht alles schon hier liegen lassen. Da wäre etwa das alcoholististische Weltbild von Vinokrit, der die Behauptung aufstellte, die Welt drehe sich. Oder die Idee der Vollkommenheit in der Auflösung des Konzentrats der Seinsuppe, die eher eine Idee der Idee willen war und die kaum Anklang fand, da man sich schnell darauf einigte, dass ein witziges Denkmodel vielleicht zur Erheiterung gelangweilter Blogleser dienen mag, aber einer gewissen Stichhaltigkeit entbehre, die es zu einer Daseinsberechtigung braucht.
Ach, lange hätte ich noch in diesen Hallen wandeln können, doch die Zeit drängte mich unbarmherzig. „Moment mal“, sagte ich ihr, „du gehörst doch zu mir“. „Das ist mir relativ egal“, meinte die Zeit und verging. Ich folgte ihr und kam in einen Raum und Zeit verstrich…

3 Kommentare

  1. „Zeitlose Satzgruppierungen haben immer eine Daseinsberechtigung“ – so fließt dieser Kommentar vom ermatteten Hirn in die Tastattur und hinterläßt eine kleine, digitale Spur auf dem Weg zur Schmiede der Gedanken und der Abkühlung glühenden Lesens…

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