„…Wir sind dabei, die besten Voraussetzungen für die nächste Generation der Revolutionäre zu schaffen. Unsere Kinder werden in uns angepassten, mitläuferischen, arschkriechenden Arbeitsmaschinen ein vorzügliches Feindbild finden. Sie werden sehen, wie lange wir beim wieder aufkeimenden Rechtsradikalismus tatenlos zugeschaut haben, wie lange wir uns klaglos Studiengebühren haben aufdrücken lassen, wie lange wir brav Ein-Euro-Jobs gemacht haben, als nach dem Studium kein Job frei war…“
(Artikel „Revolution später“ bei zeit.de)
Wir sind längst nicht mehr revolutionär. Warum sollten wir es auch sein? Auf der Couch der Spaßgesellschaft kann man bequem rumlümmeln, das bisschen Umweltverschmutzung, kann man mit einem kleinen Huster ignorieren und Gerechtigkeit und Freiheit ist was für die komischen Leute aus den Geschichtsbüchern. Welt verändern? – Heute keine Zeit, hab noch einen Termin, morgen vielleicht. Pathos, Idealismus und die Wahrheit – ja wunderbar – schauen wir uns gerne im Kino an. Wir sind wohl die angepasstesten Individuen, die je von Selbstverwirklichung geträumt haben. Wir sind so verdammt individuell und einzigartig, wir legen uns unsere Fesseln gleich selbst an.
Oh ja das in der Dritten Welt? Schlimm was da mit den ganzen Kindern passiert – kann ich mal bitte die Butter haben? Wenn es wieder Krieg in Afrika gibt – man kann ja einfach umschalten auf die Titten eines TV-Dummchens von Pro7. Ein Klick und die Welt sieht gleich viel freundlicher aus. Ja wir sind hier sehr tolerant geworden in unser heimeligen westlichen Hemisphäre, wir tolerieren täglich: Menschenrechtsverletzungen, da ein kleines bisschen Folter, dort ’nen leichten Anflug von Armut, Wasserknappheit wieso, hat doch 7 Meere?
Alles kein Dreck, der vor unserer Haustür liegt. Woanders muss man ja nicht kehren. Ist ja nicht unser Staub. Generation Ignoranz…
„Wir haben es gewusst„, werden wir mal unseren Kopf gegen die Wand schlagen, wenn es nicht nur ein kleiner Hurrikan oder ein leichter Tsunami sein wird. Wir globalisieren alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Naturkatastrophen inklusive.
Eine Wertetabelle für unsere neue Gesellschaft:
Gerechtigkeit – Äh Gericht? Was zum Essen?
Freiheit – Freitag um 13:00 Uhr Feierabend.
Gleichheit – Kindchen aus Asien, du nähst das gleiche Adidas-Shirt, das ich gleich trage.
Brüderlichkeit – kann man sich kein Auto von kaufen
Vielleicht ist mein „World-Bashing“ hier naiv, pathetisch und idealistisch. Man kann den Text lächelnd in die „jugendlicher-Anflug-von-Weltverbesserer-Spinnerei-Ecke“ legen. „Ach ja, ich war ja auch mal jung und unwissend“. Ich weis nicht viel, aber eins weis ich:
Wenn die Wissenschaft je so weit sein wird, dass sie Tote wieder erwecken kann, dann werden das unsere Kindeskinder machen, aber nur um uns eine kräftig aufs Maul zu geben, für das, was wir aus unserem Planeten gemacht haben.