.akt I, szene I (auftretende personen: sie und er)

Die Lässigkeit mit der sie ihre Blicke wirft, gibt deren bezaubernder Wirkung keine Minderung. Das kurze Aufblitzen der Augen unter bedächtig lange niedergeschlagenen Wimpern belügt keinen von beiden.

Nicht mehr.

Deine Eloquenz stolpert ab und an über diesen Blick, oder eine Geste und verhakt sich in der Satzmitte, endet irritiert in einem äh-Laut. Der Gesprächsinhalt nimmt die Autobahn der Alltäglichkeit, der Subtext die verschlungen Wege der Vorsicht, den steinigen Trampelpfad der verletzten Eitelkeit und der Hochspannung.

Deine Hand hält sich am Weinglas fest, dass sie nicht zittert. Zwei unruhige Finger sind schuld, dass die Zigarettenasche auf den Tisch fällt. Du läufst rot an, weil du Angst davor hast, rot zu werden.

Dein Verstand wird von den Gefühlen getrieben, um jede winzige Einzelheit zu erfassen und zu interpretieren. Deine Gefühle werden von selbst getrieben.

Deine bisherige Ablehnung von banalen Bildern und Symbolen der Liebe hört abrupt auf und Rosenblätter wirbeln im Frühlingswind. „Warum“ fragst du auch nicht mehr, da es um das „darum“ geht. Neurohormonausschüttung ist das Konstrukt einer Realität, die im Jetzt keinen Bestand, keine Bedeutung mehr hat.

Es ist das Bild das du dir im Wohnzimmer der Gefühle für immer über den Kamin hängen willst.

Sie geht. Diesmal noch allein.

Du bleibst zurück und wie ein dämlicher Trottel grinst du den Kellner an und gibst ihm viel zu viel Trinkeld.

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