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.die analogen pionierjahre, erinnerjungen

Beseelt vom Spieltrieb der Jugend, folgte der Ausbruch aus der passiven Konsumhaltung des Video-Betrachters. HI8 und (S-)VHS waren die Träger der ersten kreativen filmischen Auswüchse.

Obligatorisch ein Bond-Streifen. Über die erste Szene, in der Bond eine russische Patroullie in einem abruchreifen Haus erschießt, kamen wir leider nie hinaus. Trotzdem floß mehr Tomatensauce, als man für die Verköstigung einer italienischen Großfamilie mit Spaghetti Bolognese benötigt hätte.

Wir drehten einen frei improvisierten Agentenfilm, in der die nächste Szene immer in einer emotionalen und aufreibenden Diskussion spontan am Drehort festgelegt wurde. Überragender Hauptdarsteller war David aus Australien, ein Austauschschüler, der zwar fast kein Wort Deutsch sprach, sich aber trotzdem hervorragend in unser kreatives Chaos integrierte. Geschnitten wurde nur mit der Kamera. Der Soundtrack kam vom Walkman, dessen Ohrstöpsel am Kamera-Mikrofon befestigt wurde.

Wir drehten einen „Gulli“-Werbefilm, weil keiner wusste, wie man „Gauloises“ schreibt.

Wir gaben für die Kamera ein Weihnachtskonzert auf einem Jägerstand im Winter bei -10 Grad. Die Aufnahme davon ging verloren.

„Krieg der Nachbarn“ setzte Maßstäbe im Bereich der dramaturgisch perfekt inszenierten Schneeballschlacht.

Wir waren Drehbuchautoren, Regisseure, Schauspieler, Kameramänner und Produzenten. Alles in einem, alles auf einmal, alle. Es zählte Spontanität, die Idee, Unsinn und Spaß.

Damals wie heute liebe ich es eine Kamera in der Hand zu halten, genauso wie es es liebe ein Stift in der Hand zu halten, oder die Tastatur unter den Fingern zu haben. Alle Möglichkeiten offen, als einzige Grenze die eigene Phantasie und Kreativität.

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