Alle Artikel in der Kategorie “Sinnsucht

Seinsamkeiten

Nach einer Fastpause. Worte berühren wieder. Es sind wieder Bilder im Kopf. Eigene Bilder. Eigene Wortbilder. Vielleicht ist das Internet schuld gewesen, dass es immer mehr zwischen Mensch und Mensch gebracht hat. Ein Wall aus Kommunikationsmöglichkeiten. Da sollte mal jemand ausführlich drüber nachdenken. Denn zwischen den Zeigefingern der Verteufler und den Daumen der Vergötterer gibt es zuwenig Überlegungen und zuviel Meinungen. Zuviel Reproduktion dessen, was schon im Original nervte. Der nächste große Schritt muss eine radikale Reduzierung werden. Man muss sich die mentalen Finger in die Ohren stecken und „la la la“ singen können. Das werde ich auch lernen müssen.

Eine Medienrevolution könnte sich doch mal gegen allgegenwärtige Zerstreuung, den Sensationsstaffellauf und die Medienkälte richten.

Per Anhalter durch den Moment

Liebe Leserinnen und Leser – verzeihen Sie mir diese, auf Ihre bloße Tätigkeit reduzierte Anrede – Wolken bilden Formationen, die wir zu Bildern machen. Hasen hoppeln über den Himmel und werden dann wieder nur zu einer alliterativen Assoziation, während man in der Hängematte versucht den Moment anzuhalten und zu halten, bemüht den Verstand loszulassen.
Neulich betrachtete ich wie eine Wolke Elchkuh von zwei hundsähnlichen Wolken angegriffen und in der Luft zerfetzt wurde. Sie tanzten in den Tod, während sich die Sonne gemütlich rötend in den Wald plumpsen ließ. Ich verlor mich in der Symbolik dieses langsamen, aber dramatischen Wolkenkampfes. Ich war die Elchkuh. Die Hunde vielleicht die Zeit? Die Gedanken vertrieben den Moment, das Grübeln die Gedanken und das vernunftbegabte, vernunftgetriebene, vernunftgequälte Wesen – ich – exerzierte autopilotisch Peinlichkeiten vergangener, Chancen und Probleme künftiger Situationen durch, die im „Jetzt“ keinerlei Rolle spielten.
Der „Moment“ ist eingefangen, gezähmt und zur Plakette der dauerfeuernden Imformationsabteilung „Konsum“ geworden, so dass bei allen Versuchen wenigstens temporäre Zufriedenheit im Nichtstun zu erlangen, erstmal die Mauern der biersüffelnden, waschmittelschnüffelnden und bergstraßenfahrenden Verheißungen nieder gerissen werden müssen, die einem den schönen Moment der Gegenwärtigkeit vernebeln. Die Welt wird nicht kleiner, sondern schneller – wir leider auch und nicht größer. Wir werden fragmentiert, teilchenbeschleunigt, aus dem Zusammenhang gerissen und in immer neue Verpackungen gestopft, beinahe unfähig uns auszupacken und anzuhalten. Ich habe Angst davor, von der Vergangenheit in die Zukunft ohne Gegenwart leben zu müssen.