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P.S.

P.S. In Deutschland gibt es das verbriefte Recht, Puenktchen ueber Vokale zu streuen, um daraus Umlaute zu formen. Dieses Recht wurde mir beim Aufsetzen dieses Textes von meiner irischen Computertastatur verweigert. Ich bitte um Nachsicht.

(Aus einer „Geschäftskorrespondenz“)

Das Änderungs-Atelier

Mit meiner wunderschönen Begleitung schlenderte ich jüngst durch Köln. Als Landkind bin ich immer ganz entrückt und bekomme große Augen, wenn ich einmal meine kleine grüne Welt verlasse. Da prasseln Eindrücke wie ein Frühlingsregenguß in mein kleines Landherz und begierig sauge ich sie auf, wie ein einsamer Barheld die wasserwerdenden Eiswürfel seines Caipirinhas. In meiner Verzückung wurde ich eines Ladenschildes gewahr, dass ich meiner Tarnung als Weltbürger wegen nicht fotografieren wollte.

„Änderungs-Atelier – Damen & Herren“.

Ich bin nun mal so, das muss erklärt werden, schon als kleines Kind mit einer Phantasie gesegnet worden, die kein „Ne ne, lass mal gut sein“ kennt, sondern die, wie ein in Bewegung gesetzter 100-Meter-Güterzug, erstmal ihren Lauf hat.
„Der passt mir leider nicht“, trat eine mittelalte Dame in meinem Kopf auf, die ihren Mann Günther neben der funierten Sperrholz-Theke abstellte.
Günther glotzte wie ein Rind.
„Können Sie ihn bitte etwas an den Armen und Beinen kürzen. Ja? Ich hole ihn dann morgen wieder ab.“
„Bis morgen, Günther“, fügte sie streng und nur beiläufig liebevoll hinzu.

Begeistert war ich hier auch von dem pragmatischen Einsatz der Sprache. Änderungs-Atelier – Damen & Herren. Damit ist alles gesagt.
Während andere Rosenwörter aus Blumengedichten pflücken und an ihr Herz drücken, gehe ich durch Straßen und Anzeigen in Gemeindeblättern und erfreue mich am Charme der deutschen Handwerks- und Gewerbesprache. Man muss sich nur diese komischen Männchen im Blaumann in deren Logos wegdenken, die in Handwerkswerber-Seminaren noch als pfiffig verkauft werden.
Fliesen & Bodenlegermeisterbetrieb las ich heute auf einem Lieferwagen in dem ein kerniger Bodenlegermeister saß und – äh – einen Lieferwagen fuhr. Was das Bauhaus für die Architektur, ist das Deutsche Handwerk für die funktionale Poesie. Wörter wie Flachpressplatte, Dünnbettmörtel und Sparrenpfettenanker riechen nach tannenharzigem Sägemehl, nach nassem Betonkies und schaffen solide Kopfbilder mit Qualitätssiegel made in Germany.

Doch manchmal wird dieser sprachliche Pragmatismus selbst mir zu weit getrieben. Wenn man so über die Autobahnen rauscht, bekommt man schnell den Eindruck, Deutschland bestünde aus Leitplanken, grünen Hecken und Fahrzeugführern der Autoschule Arschloch. Doch wir, das „Land der Dichter und Denker“ halten unsere alte Kultur hoch, wie ein Ertrinkender das Schild „Kann nicht mehr schwimmen“. Den gleichsam pfiffigen Köpfen von Kulturamtsverwaltern entsprangen dann wohl diese braunen Schilder auf der Autobahn, die vom kulturellen Geiste der Städte künden soll, die man so rechts und links hinter sich lässt.
„Besigheim – Fachwerk & Wein“ steht da an der Autobahn und lässt erahnen, welche Verzweiflung sich im Bürgermeisteramt breit gemacht haben könnte, als der bundesdeutsche Abgeordnete für braune Autobahnkulturschilder höchstpersönlich in Besigheim abstieg und „Kopfsteinpflaster & Bäume“ wegen Überlänge gestrichen werden musste.

Meine wunderschöne Begleitung, die hier eher von mir begleitet wurde, konnte meiner Begeisterung über das Änderungs-Atelier übrigens nur wohlwollend folgen. Ein Glück, dass dieses Atelier feiertagsbedingt geschlossen hatte, sonst wäre ich wohl mit Zettel um den Hals abgegeben worden. „Bitte um 2 cm Phantasie kürzen“.

Durstlöschfaktor

Beim Einfließen des Getränks in den Mund verbreitet sich zuerst ein orangschiger erfrischender Geschmack mit einem leicht rauchigen/herben Unterton, der sanft mitschwingt, den man hauptsächlich mit den Zungenseiten wahrnimmt. Dieser weicht nach und nach einer angenehmen Süße.

Das ein oder andere Jahr lebe ich nun schon unter Menschen, da liegt also schon vieles in der Das-kenne-ich-Schublade. Doch die Menschheit ist immer wieder für eine Überraschung gut und verblüfft mich mit feinherber Lustigkeit, die mit Lachen in der Kehle mitschwingt und fröhlich mit einem Kichern nachhallt. Wie etwa bei diesem Limonaden-Erfahrungsbericht, der mich sogar kurz meinen inbrünstigen, lange an der Herzkammer gehegten Groll für Preisvergleichsseiten für ein paar Sekündchen vergessen lässt.

Das Dosieren aus dem Flaschenhals mit einem Durchmesser von 2,5cm lässt sich gut bewerkstelligen.

Man sollte dieses Internet nicht auf einem Stuhl sitzend lesen, sondern schon präventiv in kleinen Dosen lachend unter dem Tisch einnehmen.

Ein Straßenpfosten ist kein Rad

Es sind der großen Gefühle viele. Das Herz dem Zerspringen nahe, die Hände gepresst auf die bebende Brust, ist es zur Abwechslung doch schön, sich den kleinen, aber durchaus bedenkenswürdigen Dingen im Leben zu widmen – da schau her, ein Straßenpfosten.
Ein Straßenpfosten ist kein Rad. Das ist von daher betrüblich, weil die Erfindung des Rades einen unumstrittenen hohen Stellenplatz in der Geschichte unserer Zivilisation aufweist. Dem Erfinder des Straßenpfostens dagegen, wird wohl keiner ein güldenes Schild ans Haus nageln, auf dem gravierte Schnörkel verkünden „Hier erfand Alois Müller 1697 den Straßenpfosten“. Kein Tourist, berauscht von angelesener Kenntnisshoheit, wird zeigefingernd verkünden „Ich sage dir Gudrun, Alois Müller hätte 1698 beinah auch noch den Straßenbegrenzungsstreifen erfunden, wenn ihm der Chines‘ nicht zuvor gekommen wär. Ja ja, diese Chinesen…“.
Ich könnte an dieser Stelle leicht geflunkert haben. Dass ich Alois Müller posthum den Ruhm wieder entreißen muss, ist schade – aber wahrscheinlicher wird’s so gewesen sein, dass der Römer den Straßenpfosten erfunden hat. Diese Römer! Da grämen sich heute noch alle Erfinder. Was der Römer nicht alles erfunden hat! Sack Zement! Eben diesen!
Selber schuld jedoch, dass sie das Patentrecht nicht besser nutzen konnten Dieses findet schon um 720 v. Chr. in einer griechischen Kolonie in Süditalien(!) Erwähnung in den Geschichtsbüchern. Kein Wunder also, dass das römische Imperium untergegangen ist. Was ihr ja mal auf einer Party als hard fact unter die people bringen könnt.