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Wie man, Heilmann

Wie man sich wieder gemeinsam am Konsens besäuft, hetzt und Messer wetzt, um eine Blogsau zu treiben und zu schlachten, wo scharfe kritische Worte oder ein bisschen Spott genügt hätten. Wie man die Meinungsfreiheit als Banner für einen Schlachtzug instrumentalisiert. Wie man sich als Vertreter einer kritischen Gegenöffentlichkeit der selben Mechanismen bedient, die man anderen vorwirft.

Es geht doch auch anders: Recherche, Reflektion und Anstand.

Get Well Soon

Eine Liebeserklärung.

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Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der Virtualität nur eine Sehnsucht und nicht Realität1 war. Kurz nachdem der kleine Indianer seinen letzten Pfeil verschossen hatte, Detektivclubs wegen ausbleibender Fälle schlossen und das Baumhaus sich längst von Moos und Flechten grün färbte, tauchte das Internet in meinem Leben auf. Die Sehnsucht nach den unbekannten Weiten der Welt. Nicht in Form einer kleinen Adresszeile am oberen Rande des Bildschirmes, sondern als gebundenes Papier in Form einer Zeitschrift2. „Das Internet„, raunte man damals, „das wird noch mal ganz groß rauskommen„. Wie das in so einer Zeitschrift ist, gab es Artikel. Artikel über Technik (ungelesen). Artikel über Erotik im Netz (Bekenne, ja: „gelesen“. WIR hatten ja vorher nix, nur Unterwäschekataloge) und einmal eine Abhandlung über Netzliteratur und das Aufkommen von heute „Blogs“ genannten Netztagebüchern. Ich lese, seit dem ich es kann. Gerne und viel. Hier wurde mir Literatur versprochen. Große und kleine Momente des menschlichen Lebens. Persönlich. In Worte verpackt, die in kaum in Büchern ihr flauschiges Plätzchen finden würden. Emotionen und Gefühle, wild und frei in den unendlichen Weiten des Internets sirrend, singend, brüllend, resonierend. Das Bild, das ich mir vom „Schreiben ins Internet“ machte, habe ich heute redigiert. Das farbenfrohe Wunschgemälde ist einem diffusen Farbenrauschen gewichen, das durch Gleichförmigkeit benebelt. Vielleicht könnte man auch die Geschichte eines Perlentauchers als Metapher bemühen. Tausendmal in die Tiefe hinab gestiegen und selten eine Perle gefunden.

Dennoch (ich klammer hier mal die Menschen aus, die ich hier eh jedes Mal verlinke und lobe) gibt es in all dem öden Infotainment-Mist, genau diese fantastischen kleinen und großen Wunderwerke schriftlicher Kunst, die man mir, oder die ich mir einmal versprochen hatte. Die wirklich ganz große „Keine Geschichte über die Selbstmörderin, die mir in der Klapse das Leben gerettet hat.“ von hoch21 (Blog/Twitter) oder die immer wieder fantastische Silent Tiffy, die gerade hoffentlich nicht nur den Gedanken trägt, ein Buch zu schreiben, sondern das auch macht.

Dafür: Danke.

P.S. Namenspate für diesen Artikel ist „Get well soon„. Reinhören!

  1. Hinweis: Ich kann für solche Wortwitze nichts, sie kommen durch mich durch. Ach, ich bin doch letztlich nur ein Medium []
  2. gibt’s das heute noch? Zeitschriften über das Internet? []

Vorsicht, Blog frisch gestrichen!

Es war einmal wieder arg an der Zeit, dem virtuellen Wohnheim meiner Augenblickpunkte ein neues Gesicht zu geben. Der Grund ist dem Gefühl sehr ähnlich, im hübsch eingerichteten Wohnzimmer zu stehen und dennoch vom gewohnten Anblick gelangweilt zu sein. Ein Wandel muss her. Sofort. Nun sind die tastaturialen Werkzeuge, mit denen ich die CSS-Datei malträtierte, nicht gerade gewohnt für einen wie mich, der lieber mit Säge, Pinsel und Hammer physischen Dingen künstlerisch, handwerklich zu Leibe rückt. So wurde ein erstes Konzept, eine radikale Abwendung vom blogtypischen Design schnell verworfen, da ich zwar wie ein Verrückter in CSS-Dateien und Farbgebungen wühlen und diese modifizieren kann, der fundamentale Aufbau eines Templates aber noch leicht – ich untertreibe – meine technischen Fähigkeiten übersteigt. Deshalb präsentiere ich hier nun – stolz selbstverständlich – meine Interpretation des Themas „NewForest„.

Ketchup

Selten schrieb ich in letzter Zeit über das Bloggen. Aus gutem Grund. Für die meisten Leser dürfte interessanter sein, dass ich beim Verfassen dieses Beitrages eine ganze Packung Pistazien knackte und drei Gläser Orangensaft – gemischt mit Wasser im Verhältnis 2/3 – trank. Nach einer Phase der Emanzipation, in der ich mich aus dem Zirkus der Aufmerksamkeit verabschiedete, um fortan kleine, aber eigene Brötchen zu backen, wurde ich stiller Betrachter der als medialer Nebel im Netz wabbernden, sogenannten „Blogosphäre“.
Während die Fahrradfahrer sich inzwischen recht gut daran gewöhnt haben, dass sie einfach Fahrrad fahren, scheint es das Grundbedürfnis einiger bloggender Menschen zu sein, sich selbst immer wieder der leidenschaftlichen Diskussion zu stellen, was Blogs sind und vor allem was nicht. Beliebt sind hier die Begriffe „Relevanz“ und „Substanz“, die man, um ernstgenommen zu werden allerdings nur noch in einem ironischen Kontext verwenden darf. Ausgenommen natürlich, wenn man sich im Meeting mit einem Werbepartner befindet.
Es ist lustig. Wenn man sich mehr als zwei Jahre mit einem so jungen Medium beschäftigt, ist man schnell ein alter Hase. Zumindest fühlt es sich so an, wenn jedes Quartal die selbe Diskussionen der selben Diskutaten abläuft. Etwa der ewige Krieg „Blogger vs. Journalisten“ wirkt wie ein Boxkampf über fünfhundert Runden, in dem sich die Boxer nur noch aus ihrer Ringecke beschimpfen und bespucken. Eine überall so senfig angereicherte Diskussion, dass man die Wurst kaum mehr sieht, um die es geht. Wenn es denn überhaupt mal eine gab. Und hier gibt’s grad noch ein bisschen Ketchup drauf.