Archiv für April 2007


.popcornkulturkino

28. April 2007 - 14:42 Uhr

War gestern in “Vollidiot“.

War erst angenehm überrascht, da ich wirklich viel Schlimmeres erwartet hatte. Halt, dachte ich mir dann – das denkt Ihr euch jetzt wahrscheinlich auch, werte Leser – das ist doch kein Pro-Argument.

Nun denn,
Oliver Pocher steht in der Tradition von bekannten Schauspielern wie Arnold Schwarzenegger und Jean-Claude Van Damme, was die Variabilität seiner Gesichtsausdrücke angeht. Man könnte sagen, dass ihm die Rolle des durchschnittlichen Losers durchaus gut steht, aber so zynisch bin ich ja nicht – ne?!

Die Substanz der Geschichte von Popcornkultur-Literat Tommy Jaud kann man sich in etwa so vorstellen, dass Dieter Bohlen versucht hätte, einen Michel-Houellebecq-Roman zu schreiben.

“In seinen Romanen seziert Houellebecq, ähnlich wie sein Freund Frédéric Beigbeder, gnadenlos und provokant die narzisstische westliche Konsumgesellschaft. Seine Protagonisten leiden unter ihrem Egozentrismus, ihrem Unerfülltsein und ihren Schwierigkeiten, in einer kontakt- und gefühlsgehemmten Gesellschaft menschliche Nähe zu erleben. Insbesondere die sexuelle Frustration erscheint als ein Leitmotiv Houellebecqs.”

Die Thematik orientiert sich also durchaus am “Zeitgeist”, kommt jedoch auf so triviale und billig schreiende Art daher, dass ein eventuell noch möglicher Tiefgang im Keim erstickt wird. Die gefühlsreichen Szenen versaut Oliver Pocher sowieso durch mangelnde Gesichtsmotorik und Stimmmodulation.
Die Gesellschafstkritik entsteht beim Betrachten, aber nicht aus der Intension der Autoren. Die Anklage der Oberflächlichkeit, wendet sich ironischweise damit wieder gegen den Film selbst.

Der Film ist eine Ansammlung aus zusammenhangslosen Sketchen, platten Witzen, einem ich-bin-so-böse-höhö-Zynismus und billigen Comedy-Sprüchen in der Qualität, die man von RTL und Pro7 gewohnt ist, die lose von der ausgelutschten und überstrapazierten “Junge verliebt sich unsterblich, lässt seine Freunde im Stich und merkt am Schluss was für ein Vollidiot er ist”-Geschichte zusammengehalten werden.

Mit dem Titel des Filmes möchte man auch den FAZ-Autor titulieren, der für dieses Geschmiere verantwortlich ist. Auf jeden Fall ein Fall fürs CrapLog.

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.what did you do last night?

26. April 2007 - 22:36 Uhr

narbe

Ich mag Narben.
Nein, ich mag die Erinnerungen, die Geschichten dahinter.

Bei mir wären da etwa der orginalgetreue Nachdruck eines ungarischen Gokart-Motorkühlblocks auf meinem rechten Unterarm, dessen Geschichte nur kurz, aber schmerzhaft ist und die Klassifizierung “Volltrottel” hat.
Dann die – fast schon klassische – Narbe am Kinn, infantiler Fahrradunfall. Auch eine dumme Sache, über eine Plastikfolie zu fahren, die jemand wegzieht.
Kleinverletzungstechnisch habe ich sowieso nichts ausgelassen.
Der Nagel musste ja in den Fuß. Das Rausziehen tat übrigens mehr weh, als das Reintreten, aber das sei nur am Rande bemerkt. Eine Woche lang bin ich in Turnschuhen der Größe 40 herum gelaufen (was bei einem Heranwachsenden im Kinderartenalter an Clown ähnliche Größenverhältnisse erinnerte).

Die neuster Errungenschaft auf dem Gebiet der Eigen- und Fremdverletzungen trage ich nun im lichten Schatten der linken Geheimratsecke (siehe oben).
Ihr fragt euch sicher wie das passiert ist? Gute Frage – und das ist jetzt kein dramaturgischer Kunstgriff – das frage ich mich nämlich auch.

Gestern etwa 23:30 Uhr, als ich nüchtern! (um gewissen Unkenrufen mal vorzubeugen) ins Bett ging, war meine Stirn noch von makelloser Reinheit. 7:10 Uhr, nachdem der vorwurfsvolle Wecker schon drei mal mit der Schlummertaste besänftigt wurde, bemerkte ich dieses Ding, das einer Brandnarbe ähnlich zu sein scheint.

Haben mich Aliens entführt? Mutiere ich zum Harry-Potter-Klon? Wurde mir ein RFID-Chip eingepflanzt? Schlafwandel ich? Betreibe ich aktives Nachttischlampen-Kuscheln?

Ich weiß es nicht – wirklich!

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25. April 2007 - 18:29 Uhr

lichterleuchten

In Anlehnung!

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24. April 2007 - 22:04 Uhr

Die Macht der Gewohnheit kennt nicht die Grenzen des Toasters. Der (un-) erwartete Schreckmoment des hochschnellenden Toasts kommt immer wieder.

(Aus der Reihe: Und ich schlafe in der Dusche, weil die Dusche zu mir hält, sie ist der einzige Freund, den ich noch habe auf der Welt. Ja, ich schlafe in der Dusche, denn die Dusche ist normal, diese Rebellion der Haushaltsgegenstände, ist ziemlich brutal.)

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.guten tag, ein kleiner leitfaden von gepflogenheiten

24. April 2007 - 21:40 Uhr

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(Illustration/Lizenz)

Bei dem Versuch durch Höflichkeit ein positives Auftreten zu erlangen, scheint sich vielen Leuten eine unbegreifliche Unsicherheit zu bemächtigen, was schon bei den einfachsten Umgangsgepflogenheiten – etwa der Begrüßung – anfängt.

Die Zeit von Adolph Freiherr Knigge und standesgemäßen Benimmschulen, ist zum Glück einer laxen Beliebigkeit gewichen, jedoch ist die Auswahl eines passenden Begrüßungsrituals durchaus noch von hoher Bedeutung.

Wenn man sich beispielsweise des formalen “Guten Tag[eszeit]” bedient, sollte man sich trotzdem im Klaren darüber sein, dass dies eine persönliche Anrede ist und das sollte auch so zum Ausdruck gebracht werden. Ein genuscheltes “Ich-bin-eigentlich-gar-nicht-hier-Guten Tag[eszeit]” verfehlt immer seine Wirkung und ist das menschliche Äquivalent zum Hund mit dem eingekniffenen Schwanze.

Die “Guten Tag[eszeit]-Begrüßung” ist demnach mit sorfältig artikulierter Betonung und von Mensch und Situation abhängiger Bedeutung auszusprechen. Letztere wird durch Unterton und Subtext definiert.

Die Arme die Ihnen morgens die Brötchentüte reichen, die Hände die Ihnen an der Supermarktkasse das Geld abnehmen, die Muskeln, die Ihr Haus bauen, gehören zu Menschen.
Denn auch als Kunde sollte man wissen, dass man sich in einem Dienstleistungsverhältnis befindet. Vielen scheint das noch nicht aufgefallen zu sein, lustigerweise vor allem Personen, die sich gerne ein bedeutungsschweres und anklagendes “Servicewüste Deutschland” in den Mund legen.
Mit der Begrüßung drückt man hier auch seine Wertschätzung aus, weil sich der Dienstleister im Besitz, oder an der Stelle der Dinge befindet, die man in Anspruch nehmen will.

Das Gesicht – das sich in Form von Muskelsträngen, Gewebe und Haut auf der vorderen Seite des Kopfes befindet, lässt sich durch einfache Kontraktion und Relaxation der Muskeln als unterstreichende Ausdrucksmöglichkeit parallel und unterstützend zur Verbaläußerung einsetzen. Die Verwendung der hier möglichen Stimmungen gleicht denen der Smileys und wird der gewünschten Intension des Gesichteigentümers angepasst (Wichtig: Nicht den Kopf auf die Seite legen, das wirkt weder niedlich, noch kokett, sondern schlichtweg dämlich!).

Die verbalen und optischen Aspekte der Begrüßung sollten nun keine Schwierigkeit mehr darstellen – im Zweifelsfall kann selbstreflexiv und mittels eines Spiegels geübt werden.

Gehen Sie (aus sich) raus, genießen Sie den Umgang mit Menschen und in der nächsten Lektion lernen wir den richtigen Händedruck…

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