.umzüglich
29. März 2007 - 21:43 UhrLederstrumpf, Old Shatterhand und Donald Duck sitzen noch am Feuer, kochen Kaffee und irgendwie scheint mir im Alter von 10 Jahren die Jahrtausenwende ewig weit weg zu sein und ich stellte mit vor, wie es wäre als Jugendlicher Silvester zu feiern.
Sentimentalität überfällt einen hinterrücks, wenn man sich durch gegenständliche Erinnerungsfetzen wühlt und man kommt sich vor wie der Protagonist im eigenen Roman auf Seite 3 Zeile 22 ff.
Die Unterstufen-Flamme lächelt mir unverblümt von dem Foto entgegen, das zwischen all den geblümten Geburtstagsgrußkarten von Tanten und Omas und Inseln-Postkarten steckt.
Namensvetter und Schulbrieffreundschaft Markus aus Ohio, schrieb Briefe in bildzeitungsgroßen Lettern. Kitten, Kitten ja verdammt Kätzchen, heute verstehe ich endlich, was schwarz ist und einen weißen Fleck auf der Nase hat. Er hat damals ein Kätzchen geschenkt bekommen. Vielleicht lebt die Katze ja heute noch? Wie alt werden eigentlich Katzen?
Ein Knopf. Ein Knopf in einer kleinen Plastiktüte. Der Ersatzknopf einer (bestimmt schrecklichen) Hose, die ich längst nicht mehr habe. Vielleicht wurde aus ihr nach der Altkleiderentsorgung Industrieputzlappen, vielleicht auch kleingehächselt Autotüreninnendämmung.
Ein weiterer Knopf aus dem 16. vielleicht auch 17. oder 18. oder 19. Jahrhundert. Beim archäologischen Durchsieben im Dreck eines uralten Innenbodens gefunden. Ein paar Kleinmünzen waren auch dabei, die Familiengruft einer Mäusefamilie über mehrere Generationen und ein paar Porzellanscherben. Assoziationsmuster malen das Bild eines Mädchens im adretten Kleid, das Schelte von der Mutter bekommt, weil es beim Spielen ein Knopf abgerissen hat.
Entrissene Seiten eines später als Notizblock entfremdeten Tagebuches. Für mehr als ein “Ich sollte mal wieder (wirklich ist hier gemeint) Tagebucheinträge schreiben”, hat es nie gereicht. Metatagebuch, lange schon vor der Blogzeit.
Beim Umziehen geht einem der ganze geliebte, verfluchte und erinnerungsseelige Kram nochmal durch die Finger und durch den Kopf und mit Entsetzen einerseits und mit großer Freude andererseits, merkt man, dass das ganze bisherige materielle Leben immer noch in ein paar Umzugskisten passt.
